Inklusion

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Emma – Mit Witz, Charme und Rollator

Meine Tochter Emma ist mit einem Gen auf die Welt gekommen, das etwas anders funktioniert, als bei den meisten anderen Menschen.

Ein Protein wird in anderer Zusammensetzung ausgebildet.Dies bedeutet, dass Emmas Körperspannung geringer ist, als bei anderen Kindern. Es dauert länger bis sich ihre Muskeln aufbauen. Dadurch ist ihre Hüfte wackelig und sie kann nicht frei laufen. Damit es ihr trotzdem möglich ist, hat sie einen ‚Posterior Walker’ bekommen. Eine Art Rollator. Ein Gestell mit vier Rädern, das sie mit sich zieht, wenn sie laufen möchte. Dies ermöglicht ihr, sehr viel freier zu sein in der Entscheidung, wo sie hin möchte.

 

Mit dem Rollator in den Wald?

Mit etwa zweieinhalb Jahren kommt Emma für neun Monate in die Waldkinderkrippe. Es ist Dezember und bitterkalt, doch der Empfang warm und herzlich. Im Morgenkreis hüpfen und springen Pferde, Eichhörnchen und Tiger. Auch eine Schnecke krabbelt durch den Kreis. Emma kann bei diesem Spiel mitmachen – ganz alleine und sie muss dafür nicht frei laufen können.

Die meisten Ärzte, zu denen ich mit Emma gehe, schauen mich ungläubig an. „Mit einem Rollator im Wald? Funktioniert denn das? Wäre eine ebene Fläche nicht viel angemessener? Und wie kann sie denn überhaupt mit den anderen Kindern ‚mithalten’?“

Ganz einfach. Emma liebt es, draußen zu sein. Mit ihrem Rolli geht sie über Stock und Stein. Sie weiß ganz intuitiv, was sie gerade braucht und wie sie sich selbst am besten stärken kann.

Ich vertraue darauf – und das schöne: Auch die Erzieherinnen der Waldkinderkrippe haben tiefes Vertrauen in Emma. Das gibt mir das Gefühl, dass Emma genau an dem Ort ist, an dem sie sein sollte.

 

Wie geht es nach der Krippenzeit weiter?

Emma ist da und sie ist so wie sie ist. Im Wald gibt es kein „unmöglich“, kein „Das geht leider nicht, Emma.“ Dafür aber „Versuch’s mal Emma. Ich glaube, dass Du es schaffst. Ich bin da und schau auf Dich.“ Im Wald kann Emma zeigen was sie kann. Und das wird von Mal zu mal mehr. Zur Krippe kommt jeder mit seinen Stärken und Schwächen, kann genau so sein, wie er ist und wird von Herzen willkommen geheißen. Das macht stark!

Die Zeit in der Krippe geht zu Ende und ein Kindergarten wird gesucht. Da wir zur selben Zeit wegziehen, ist es etwas kompliziert. Doch zum Glück gibt es ja das Internet. So finde ich die Homepage einer Einrichtung, die Ihre Offenheit für Alles und Jeden stark betont. Was für ein Glück, dass es dort noch einen freien Platz gibt!

Doch was für eine Ernüchterung, als ich mit Emma dort bin. „Wir müssen schauen, was möglich ist. Es wäre ja schade, wenn Emma die ganze Gruppe aufhält oder nicht zu den Ausflügen mitkommen kann. Wir machen viele Spaziergänge, auch im Wald. Wie soll sie da mitmachen können?“ Was für ein Schlag. Betroffen stelle ich fest, dass die Offenheit wohl nicht über das Geschriebne hinausgeht. Ohne Emma eine Chance zu lassen wird sie abgestempelt.

Immer mehr fällt mir auf, was für ein wertvoller Ort die Waldkinderkrippe für Emma war. Dort heißt die Frage nicht „Ist das überhaupt möglich?“ sondern „Wie machen wir es, dass jeder mit kann?“. Dahinter steht natürlich viel persönliches Engagement der Erzieherinnen. Doch hier an diesem Ort ist dieses wunderbare Geschenk möglich.

Für mich ist es ein kleines Paradies, mitten im Wald. Voller Liebe, Wärme und Geborgenheit, die schon auf dem kleinen Weg zum Platz spürbar sind. Ein einzigartiger Ort, der mich träumen lässt, wie es wäre, gäbe es noch mehr solcher Orte – überall.

Emmas Mama

im Frühling 2014 

 


 

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